Dr. Gundula Schiffer: „Mein Herr plane für mich!“ Architektur und Sehnsucht der Psalmen
© Michal Fattal
Vortrag
Gundula Schiffer © Michal Fattal
Veranstaltung abgesagt

Dr. Gundula Schiffer: „Mein Herr plane für mich!“ Architektur und Sehnsucht der Psalmen

am 22. März 2026
um 17:00 Uhr - 18:30 Uhr
Evang. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33
8,00 € / 6,00 €

Beschreibung

Die „Tehilim“, Psalmen gehören zu den ältesten, bekanntesten und wichtigsten Texten, in denen der Einzelne und das Volk Israel eine Sprache finden, um sich im innigen Gebet mit G-tt zu verbinden. Im Hintergrund der Betrachtung bleibt zumeist, was die Psalmen Davids aus den erzählenden Büchern der Tora im Hebräischen heraushebt: die geformte, genau erwogene und rhythmische Anordnung der Worte zu poetischen Versen, die diesen Gedichten und ihrer religiösen Bedeutung eine zusätzliche Kraft verleiht.

Der Vortrag zeigt auf, welche Ansätze es in der antiken und modernen jüdischen Tradition gibt, um die Psalmen als Poesie zu begreifen und auch in der Schrift so zu präsentieren. Wegweisend sind hier die Beiträge des Dichters Arje Ludwig Strauß, der detailliert die „Komposition“ ausgewählter „Mismorim“ erhellt (1970, auf Hebräisch) und des Philosophen Hermann Cohen, der in der „Sehnsucht“ die „lyrische Grundkraft“ der Psalmen erkennt (1914, auf Deutsch). Anhand zweier Psalmen (124 „Wäre es G-TT nicht gewesen, der unser war“ und 40 „‒ Erhofft, erhofft habe ich IHN“) wird nachvollziehbar gemacht, welche kunstvollen Strukturen diese Texte bergen.

Im anschließenden Gespräch soll es Raum geben, um sich gemeinsam in die zwei Psalmen zu vertiefen. Die Psalmen werden auf Hebräisch und Deutsch vorgestellt; dabei werden auch die Unterschiede zwischen den Übersetzungen deutlich. Die Zitate hier folgen den deutschen Fassungen von Samson Raphael Hirsch (1882) und Martin Buber (1963).

Gundula Schiffer lebt als Dichterin und Übersetzerin in Köln, schreibt auf Deutsch und Hebräisch und hat zur Poesie der Psalmen promoviert. 2022 wurde ihr der Deutsch-Hebräische Übersetzerpreis zugesprochen. Zuletzt wirkte sie an der Anthologie "Kinder des Schattens. Israelische Theatertexte zur Shoah seit der Staatsgründung" (hg. von Matthias Naumann, Neofelis Verlag 2026) als Übersetzerin mit. Vier Lyrikbände hat sie bisher veröffentlicht, aktuell "Fremde Einkehr" (Verlag Ralf Liebe 2024), und arbeitet derzeit an dem neuen Buch Leib und Lieb.

In Kooperation mit der IRGW und dem Evang. Bildungszentrum Hospitalhof